Klagetsunami für Forderungen aus dem Jahr 2007 steht bevor

Vor etwa 5 Jahren begann das massenhafte Abmahnen von im Internet vermeintlich begangenen Urheberrechtsverstößen. 2007 kam es zum ersten Höhepunkt, als vermutlich mehr als  100.000 Abmahnungen den angeblichen Tätern zugingen. Jedoch sind die Forderungen, die im Zusammenhang mit diesen Abmahnungen stehen, noch längst nicht alle beglichen. Da zum 31.12.2010 die Verjährung für diese Ansprüche droht, müssen die Abmahnkanzleien jetzt schnell agieren. Deshalb sollen die Abmahnkanzleien jede Menge Mahnbescheide und Klagen eingeleitet haben, um die Verjährung zu verhindern.

Dies gilt wohl aber nur für Kanzleien, die auf Grundlage einer durchsetzbaren Vergütungsvereinbarung beauftragt wurden.

In diesem Zusammenhang ergibt sich ein gravierendes Problem für all die selbsternannten, „spezialisierten“ Anwälte, die in letzter Zeit durch eklatante Falschberatungen aufgefallen sind.

Die Anwälte, die Abgemahnte nachweislich falsch beraten, um diese als Mandanten zu gewinnen droht Gefahr.

Teilweise wird von den vermeintlichen Spezialisten empfohlen, auf die Abmahnung eine Teilzahlung in Höhe von 100 Euro zu leisten, ohne in weitere Vergleichsverhandlungen mit der Abmahnkanzlei zu treten. Daraufhin wird den Mandanten mitgeteilt, dass es sich hierbei um keinen rechtsgültigen Abschluss handele, aber das Restrisiko quasi bei Null liege, da die Kanzleien die Sache nicht weiterverfolgen würden. Dadurch wird der Mandant wissentlich und fälschlicherweise in Sicherheit gewogen.

Ob der Rat der selbsternannten Spezialisten sich als korrekt erweist, werden die nächsten Wochen zeigen.

Auf jeden Fall ist eine solche Beratung definitiv als falsch einzustufen und könnte den falsch Beratenen Regressansprüche gegen ihre Anwälte gewähren, wenn es zur Klage durch die Abmahnkanzleien kommt. Somit könnte den falsch beratenen Abmahnten der fahrlässige Rat des Anwalts teuer zu stehen kommen.

Das Kostenrisiko einer Zahlungsklage kann immens sein, denn die abmahnenden Kanzleien können bei Nichtzahlung die gesamten Kosten einklagen, die tatsächlich entstanden sind. Diese setzen sich aus den Anwaltskosten, welche aus einem Streitwert von 10.000 Euro (631,00 Euro) berechnet werden und den weiteren Schadensersatzforderungen von einigen hundert Euro, zusammen.

Über Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

  • Opfer

    Wir sind für 6 Abmahnungen schon über 2000 Euro los für Anwalt-Flat und Pauschal-Zahlungen ohne Vergleichsverhandlung. Und jetzt soll das alles für die Katz gewesen sein. Sollen wir denn unseren eigenen Anwalt verklagen, wir müssen ihm doch vertrauen können ?

  • Vielen Dank zunächst für Ihre Beteiligung an unserem neuen Diskussionsforum!

    Sie sollten sich keinesfalls darauf verlassen, dass die geltend gemachten Forderungen nicht weiter verfolgt werden. Viele Einzelanwälte und nicht spezialisierte Anwälte laasen sich gegen Dumpinglöhne von Abgemahnten beauftragen und geben vor, dass nichts weiter geschehen werde. Dies ist unseriös und kann erhebliche finanzielle Forderungen nach sich ziehen. Sofern eine Falschberatung Ihres Anwaltes vorliegen sollte, können Sie diesen in Regress nehmen. Wir sind bspw. über einen „Kollegen“ informiert, der nach eigener Aussage, 7000 Mandanten vertritt – und zwar als Einzelanwalt! Sie können sich sicherlich ausmalen, dass in einer solchen Konstellation keine sachgemäße Rechtsberatung stattfinden kann. Aus diesem Grunde kommt es zu solch unseriösen Angeboten. Sie sollten sich daher im Falle einer Abmahnung immer für einen Fachanwalt für Urheberrecht und Medienrecht entscheiden.